Weg, Wahrheit, Leben

 Kannze glaum

Poppel spricht Ruhrdeutsch, und ich spreche Ruhrdeutsch. Ich spreche durch Poppel zu Menschen an der Ruhr – und zu denen, die diese Art zu sprechen verstehen und mögen. Ruhrdeutsch zählt nicht zu den richtigen Dialekten. Es hat zwar auch seine eigenen Wurzeln in alten deutschen Stämmen, aber in der Ruhr-Region gibt es als Dialekt ursprünglich das Plattdeutsche, das man gelegentlich noch hören kann, weil Dialekt-Freunde es pflegen. Ruhrdeutsch selbst ist eher eine Sprachfarbe, ein Idiom, das sich als Umgangssprache erst entwickeln musste und immer noch muss. Denn es kommt immer noch etwas Neues dazu. Das Ruhrgebiet selbst entwickelt sich weiter, unter anderem durch ausländische Arbeitnehmer, Einwanderer und Asylanten. Hier kann man erleben, wie sich Sprache lebendig verändert und entfaltet.

Was in den Medien, vor allem im Fernsehen, an „Ruhrdeutsch“ angeboten wird, gehört fast immer in den Bereich der Comedy. Dabei überhört man leicht, dass das Ruhrdeutsche die Sprache ist, in der Menschen nicht nur lachen, sondern auch trauern und arbeiten. Es ist die Sprache des Alltags, in dem klare Botschaften ohne Umschweife an den Adressaten geraten müssen – orientiert an der Lebenspraxis: unmissverständlich, direkt, knapp.  

So ist „Ruhrdeutsch“ ebenso die Sprache, in der man von seinem Glauben erzählt, in der man sich bekennt – egal wie man zur Religion steht. Das klingt manchmal naiv oder oberflächlich. Oft sind es aber auch pfiffige Einsichten, die einfach nur den gewohnten Deutungsmustern widersprechen. Jedenfalls kommen sie immer aus der tiefen Überzeugung, aus der Wahrheit, aus der Seele. Und deshalb spreche ich mit den Worten von Poppel.

In den Denk-Tipps am Ende meiner Sammlung kommt Poppel nicht mehr zu Wort. Trotzdem sind auch sie Gedanken, die sich im Dunstkreis des Ruhrgebiets entfaltet haben, Ausdruck des Lebensgefühls dieser Region, aus dem Herzen.

Viel Freude!

1

Herr, wohin sollen wir gehen?
Du hast Worte des ewigen Lebens. Joh. 6, 68

Bio-Bibel, Buch des Lebens

 „Also weisse“, sachta Poppel moangs im Auto, „also weisse, einxlich sollte für die Bibel irnxwat mit Bio vor sang: Biobibel oder Biobel!“

„Watt willzenn dammit sang?“ sarrich. „Wollze die getz essen?“

„Nee, kumma“, sachta, „et gibtoch viele Leute, die meinn, allet wat inne Bibel drin steht, muss 100%ich richtich sein. Und dann giptdat wieda annere, die sang: Dat stimmt allet nich. Da is doch übaall dea Wuam drin: Welt gebastelt in sechs Tage, eina heiratet ne Frau, die einxlich no ga nich auffe Welt is, die Sonne bleibt stehn wie ne kaputte Uha und dea Jesus läuft übat Wassa.“ „Stimmt“, sachich, „dea konnte nich schwimm.“

„Mach getz ma keine Witzkes“, meinta da. „Kumma mit den Bio. Wennze aufn Maakt gehs un Obs kaufs, kuckse ja imma, datat allet schön sauba un gesund aussieht. Aba nur sauba un gesund is aunich gut. Nua wennze ma n Appel mit n Fleck oda n Würmkn drin entdeckn tus, dann weisse sofott: dea is wenichtens nich mit Chemie behandelt. Den hamse nich auf pafekt getrimmt. Da ist zwaa n Wüamkn drin, dafür issa aba reine Natua – dat echte Lehm. Wusstesse, dat Bio ‚Lehm’ heißt? Kaufse n echten Bio-Appel. - Und getz denk ich: Wenn inne Bibel allet glatt und rund is und allet stimmen tut, müsstesse doch einxlich glaum, dat is nicht echt. Da hamse wat dran rumgetüakt. Getz isdat abba ehmt nich so glatt und pafekt inne Bibel. Is auch man – willma sang – Wüamkn drin. Und dattis doch in Oadnung. Getz weisse ehmt: is allet echt inne Bibel, is dat Leben selba drin. Ehmt Bio-Bibel. Happich Recht?” Da konntich nua noch sang: „Kannze glaum!”

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„Also weißt du“, sagt Poppel morgens im Auto, „also weißt du, eigentlich sollte man dem Wort ‚Bibel‘ das Präfix ‚Bio‘ voransetzen: Biobibel oder Biobel!“ „Was willst du denn damit sagen?“ sag ich. „Wolltest du die jetzt essen?“

„Nein, guck mal“, sagt er, „es gibt doch viele Leute, die meinen, alles was in der Bibel steht, muss 100%ig richtig sein. Und dann gibt es wieder andere, die sagen: Das stimmt alles nicht. Da ist doch überall der Wurm drin: Welt gebastelt in sechs Tagen, einer heiratet eine Frau, die eigentlich noch gar nicht auf der Welt ist, die Sonne bleibt stehen wie eine kaputte Uhr und der Jesus läuft übers Wasser.“ „Stimmt“, sage ich, „der konnte nicht schwimmen.“

„Mach jetzt mal keine Witze“, meint er da. „Guck mal, wie es sich mit dem Bio verhält. Wenn du auf den Markt gehst und Obst kaufst, guckst du ja immer, dass das alles schön sauber und gesund aussieht. Aber nur sauber und gesund ist auch nicht gut. Nur wenn du mal einen Apfel mit einem Fleck oder einem Würmchen darin entdeckst, dann weißt du sofort: der ist wenigstens nicht mit Chemie behandelt. Den haben sie nicht auf perfekt getrimmt. Da ist zwar ein Würmchen drin, dafür ist er aber reine Natur – das echte Leben. Wusstest du, dass ‚Bio‘ ‚Leben’ heißt? Da kaufst du einen echten Bio-Apfel. -Und jetzt denke ich: Wenn in der Bibel alles glatt und rund ist und alles stimmt, müsstest du doch eigentlich glauben, das ist nicht echt. Da haben sie etwas dran manipuliert. Jetzt ist das aber eben nicht so glatt und perfekt in der Bibel. Da ist auch – wenn du so willst – ein Würmchen drin. Und das ist doch in Ordnung. Jetzt weißt du eben: es ist alles echt in der Bibel, da ist das Leben selber drin. Eben Bio-Bibel. Habe ich Recht?” Da konnte ich nur noch sagen: „Das kannst du glauben!”

2

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
Und die Erde war wüst und leer. (1. Mose 1, 1.2)

Chaos

„Also weisse“, sachta Poppel moangs im Auto: „Son echtet Chaos, dattis doch ianxwie göttlich.“

„Wat willzenn dammit sang?“ sarrich. „Meinze vielleicht dat geflügelte Dichtawort vonne sogenannte genialische Unoadnung?“

„Ja un Nein“, sachta, „n bisken so un son biskn annas. Kumma: Alzwa getz die Loretta ihr Kindagehege renowiert ham, da hamwa ja allet ausn Zimma raus aufn Flur: dat Hochbett undi Klamottenschränke un allet. Da wa dat Zimma auf eima ratzepuz alle. Un unsa Loretta kommt un sieht dat. Un dann sachze: ‚Dattis ja wie in meine Kindabibel.‘ Ich sach: ‚Wat meinze, Öskn?‘ Un sie sacht: ‚... un die Äade wa wüst un lea.‘ Un dat steht wiaklich inne Bibel ganz am Anfang vom Anfang – ich mein: wo dat mitti Schöpfung anfang tut. Un da dachtich: Kumma, so waa dat bestimmt am Anfang vonne Weltgeschichte: allet ratzepuz alle. Nix da, nua lea un wüst wie inne Wüste. Un wo ga nix is, weisse wat da aunich is?“ „Wattenn?“ frarich.

Sachta: „Na ehmt Chaos! Chaos is dann au nich da. Wia hattn unsan Chaos aum Flua, abba nich im Kindagehege. Dat wa ehmt wüst un lea.“

„Ja un?“ sachich, „Wat is getz dammit?“

„Ja kumma“, sachta, „manchma sangse ein doch inne Kiache, dea Gott hat dat allet schön oantlich gemacht un inne Welt aufgeräumt, dammit dattat da kein Chaos is. Is aba doch genau umgekeat: Am Anfang, als Gott die Welt gemacht hat, da waa allet schön aufgeräumt. Da wa nix da, nua wüst un lea. Un eas danach dann hatta inne Hände geklatscht, dattat n Urknall gegehm hat, un – wusch – da waa dat schönste Chaos da – wien Feuawäak nacheKiames. Allet bunt un spritzich un lustich, datta da so richtich sein Spässkn hatte.

Kumma, wia Menschkes sin imma am Suchn nach die geheimnisvolle vaboagene Oadnung inne Welt un denkn: ‚Wennze die Oadnung inne Welt gefun hass, dann hasse n Beweis füa den Gott, datta da is.‘ Dabei brauchse einfach nua auf datt ganze bunte Chaos inne Welt kuckn – un schon siehsse genau, watta gemacht hat. Allet bunt un nix mea wüst un leer.“ Ich sach: „Dat hat wat, wattu sachs. Trotzdem wünsch ich manchma, dat mein Schreibtisch öfta ma nich so wüst un voll is, sondan richtich schön aufgeräumt.“

Sachta: „Un mein Weakzeuchkella auch. Dat wäa au göttlich. Kannze glaum!“

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„Also weißt du“, sagt Poppel morgens im Auto: „So ein richtiges Chaos ist auch irgendwie göttlich!“

„Was willst du damit sagen?“ sage ich. „Meinst du vielleicht das geflügelte Wort von der genialen Unordnung?“

„Ja und Nein“, sagt er, „ein bisschen so und ein bisschen anders. Guck mal: Als wir jetzt für die Loretta das Kinderzimmer renoviert haben, da haben wir ja alles aus dem Zimmer hinaus auf den Flur gestellt: das Hochbett und die Kleiderschränke und alles. Da war das Zimmer auf einmal radikal leer. Und unsere Loretta kommt und sieht das. Und dann sagt sie: ‚Das ist ja genau wie in meiner Kinderbibel.‘ Ich sage: ‚Was meinst du, Kind?‘ Und sie sagt: ‚… und die Erde war wüst und leer.‘ Und das steht wirklich in der Bibel ganz am Anfang vom Anfang – ich meine, es steht da, wo das mit der Schöpfung losgeht. Und da dachte ich: Sieh mal einer an, so war das bestimmt am Anfang der Weltgeschichte: alles war radikal leer. Es war überhaupt nichts da. Es war nur leer und wüst wie in der Wüste. Und wo gar nichts ist, weißt du, was da ebenfalls nicht ist?“ „Was denn?“ frage ich.

Da sagt er: „Na eben Chaos! Chaos ist dann auch nicht da. Wir hatten unser Chaos auf dem Flur, aber nicht im Kinderzimmer. Das war eben wüst und leer.“

„Ja und?“ sage ich, „was ist jetzt damit los?“

„Ja guck mal“, sagt er, „manchmal sagen sie einem doch in der Kirche, Gott hat alles schön ordentlich gemacht und in der Welt aufgeräumt, damit nur ja ein Chaos entsteht. Aber es ist doch genau umgekehrt: Am Anfang, als Gott die Welt gemacht hat, war alles schön aufgeräumt. Da gab es überhaupt nichts, alles wüst und leer. Und danach hat er in die Hände geklatscht,

dass das einen Urknall gegeben hat und – wusch – da war das schönste Chaos da – wie ein Feuerwerk nach derKirmes. Alles war bunt und spritzig und lustig, so dass er da richtig seinen Spaß hatte.

Guck mal, wir Menschen sind immer auf der Suche nach der geheimnisvollen verborgenen Ordnung in der Welt und denken: ‚Wenn du die Ordnung in der Welt gefunden hast, dann hast du damit den Beweis dafür, das Gott das ist.‘ Dabei brauchst du doch einfach nur auf das ganze bunte Chaos in der Welt sehen – und schon siehst du genau, was er erschaffen hat. Alles bunt und nichts mehr wüst und leer.“ Ich sage: „Da ist was dran an dem, was du sagst. Trotzdem wünsche ich mir manchmal, mein Schreibtisch wäre öfter mal nicht so wüst und voll, sondern richtig aufgeräumt.“

Da sagt er: „Und mein Werkzeugkeller auch. Das wäre auch göttlich. Das kannst du glauben!“

3

Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Weib. (1. Mose 1, 27)

 Comic

„Also weisse“, sachta Poppel moangs im Auto: „Manchma denkich, ich bin im Comic.“ „Wat willzenn dammit sang?“ sarrich.

„Ja, kumma“, sachta, „Wazze imma füa Bildakes inne Zeitung tun, dattis fast wie bei uns zu Hause. Die Alte schmiat de Brötkes un machten Kaffe. Un ich steh vor den Bad un waate, dat unsa Ullige, die Loretta, endlich dat Waschbeckn freigibt. Un am Schluss is wieda Stress un Hektik inne Bude. Un wennze dat allet ma aufe nächste Familienfete erzähln tus, dann fangse alle am Geiern un am Kichern. Un dann merkse, dattat allet wiarklich wie im Comic is. Un dann denk ich imma: Stell dich dat ma vor, du wär’s getz gaa nich wiaklich da, undu wäas wiaklich ianxwie nuane Witzfigua. Dat wär doch komisch! Dann hätt dich jemand bloß ausgedacht. Un gleich kommt Micki Maus umme Ecke un sacht dich ‚Tach auch‘.“

„Na“, sarrich, „son bisken isdat ja auso.“

„Wat“, issa da bald am ausflippn, „meinze dat ich ne Witzfigua bin?“

„Nee, so nich“, musstich ihm gezz ersma aum Teppich holn. „Abba dat sangse doch inne Kiache, datwa allemann von den Gott ausgedacht sind undat wia in seine Geschichtskes rumrennn un ea sich aunoch apunzu drüba kaputtlachn tut.“

Da lachta: „Dat hälze im Kopp nich aus! Kumma, dann iss den Gott ja sowatt wie den Walt Disney, un wia sint allet seine Mäuskes. Ich bin Micki und du bis Donald, undie Welt isn Mega-Entnhausn. Ich lach mich schimmelich!“

Plötzlich stoppta un sacht: „Hömma, manchma frachich mich: ‚Giptet denn den Gott wiaklich?‘“ Unich sach: „Naja, beweisn kannzet nich!“

Da sachta: „Isja einxlich auch blöd die Frage. Dattis so blöd, wie wenn Micki Maus frang tät, oppet Walt Disney gipt. Dann hätte doch Walt Disney die Frage soga no selbs geschriem in dem seine Sprechblase.“

Sarrich: „Oda dea Gott schreibt dich selbst die Frage im Kopp.“

Sachta: „Ja, so kannzet glaum!“

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„Also weißt du“, sagt Poppel morgens im Auto: „Manchmal denke ich, ich bin in einem Comic-Strip.“ „Was willst du denn damit sagen?“ sage ich.

„Ja, sieh doch mal“, sagt er, „was sie immer für Bildchen in die Zeitung setzen, das ist fast wie bei uns zu Hause. Die Alte schmiert die Brötchen und macht den Kaffee. Und ich stehe vor der Badezimmertür und warte, dass unser Kind, die Loretta, endlich das Waschbecken zugänglich macht. Und schließlich gibt es wieder Stress und Hektik in unseren Räumen. Und wenn du das dann alles einmal bei der nächsten Familienfeier erzählst, dann fangen alle an zu Lachen und zu Kichern. Und dann merkst du, dass das alles genau wie in den Comics ist. Und dann denke ich mir immer: Stelle dir bloß mal vor, du wärst jetzt gar nicht wirklich existent, und du wärst in Wirklichkeit nur so eine Witzfigur. Das wäre doch komisch! Dann hätte dich irgendjemand erfunden. Und im nächsten Augenblick kommt Micky Maus um die Ecke und begrüßt dich.“

„Na ja“, sage ich, „ein bisschen verhält es sich ja auch so!“

„Was“, reagiert er da empört, „meinst du etwa, dass ich ein Witzfigur bin?“

„Nein, das meine ich nicht“, musste ich ihn jetzt erst einmal beruhigen. „Aber das sagen sie doch in der Kirche, dass wir alle von Gott ausgedacht sind und dass wir in seiner Geschichte herumlaufen und er sich von Zeit zu Zeit sogar über uns amüsiert.“

Da lacht er: „Das geht ja fast über den Verstand! Guck mal, dann ist Gott ja so etwas wie Walt Disney, und wir sind alle sein Mäuse. Ich bin Micky, und du bist Donald, und die Welt ist ein riesiges Entenhausen. Ich lache mich kaputt!“

Plötzlich hält er inne und sagt: „ Hör mal, manchmal frage ich mich: ‚Gibt es Gott wirklich?‘“ Und ich sage: „Nun, beweisen kannst du das nicht!“

Da sagt er: „Das ist ja auch eigentlich eine dumme Frage. Das ist so dumm, wie wenn Micky Maus fragt, ob es Walt Disney gibt. Dann hätte Walt Disney sogar noch die Frage selbst in die Sprechblase hineingeschrieben.“ - Ich sage: „Oder Gott schreibt selber die Frage in deinen Kopf.“ - Da sagt er: „Ja, so kannst du das glauben!“



36

Weihnachten fünfmal gewendet

Ausgangspunkt: Goldglanz über der Krippe. Jesus Christus ist geboren. Engel verkünden „Frieden auf Erden!“

Zum 1. Mal gewendet: Die andere Seite von Weihnachten ist dunkel. Eine Geschichte, die man nicht kennen möchte. Kindermassenmord in Bethlehem. Wie viele mögen es gewesen sein, die im Auftrag des mächtigen Königs Herodes Opfer des Massakers wurden?

Jedes Kind jünger als drei Jahre – jedes einzelne ein Opfer zu viel. (Matthäus 1, 16)

Zum 2. Mal gewendet: Sie starben, damit ein Kind – das eine Kind! – gerettet werden konnte. Eine perverse Logik: Viele werden geopfert, damit wenige störungsfrei leben können. Es ist die normale Logik der Weltgeschichte: vier Fünftel der Weltbevölkerung hungern, damit die Satten noch satter werden. Kinder werden dem Wohlstand geopfert – viele davon schon vor der Geburt. – Aber dieses eine Kind von Bethlehem wurde gerettet!

Zum 3. Mal gewendet: Es konnte nicht entkommen! Sie haben es doch noch in die Fänge bekommen – 30 Jahre später. Wenn sie dich erst einmal im Blick haben, kommst du aus dem Film nicht mehr heraus. Und: wenn über dir der Stern strahlt, bist du immer und überall zu finden. Jesus hatte verkündet: „Gottes Liebe gilt allen. Alle sind Kinder Gottes!“ Die mächtigen Macher der Geschichte, selbsternannte Göttersöhne, ließen ihn hinrichten. Todesstrafe am Kreuz!

Zum 4. Mal gewendet: Umdrehung der Zahlenverhältnisse. Der eine stirbt – anders als noch in Bethlehem – damit die vielen, alle (!) gerettet werden können. Neu beschenkt mit Leben! Damit endlich alle verstehen: Das Leben kann man sich nicht erkaufen, schon gar nicht durch den Tod anderer Menschen, erst recht nicht durch den Tod von Kindern. Dieses Leben ist ein Geschenk der Liebe Gottes. Wer das begreift, sieht den Himmel offen. Der ist reich! Himmel-reich!

Noch einmal gewendet: Alle Menschen haben das begriffen. Es wird nicht mehr getötet, um Leben zu gewinnen. Alle Menschen begreifen einander als Reichtum aus der Hand Gottes. Sie machen Frieden und halten ihn. – Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Auf diese 5. Wende warten wir noch.

Reinhold Friedrich Sander, Beethovenstr. 36, 73265 Dettingen unter Teck  | reinhold@rfsander.de / 07021 8654917